Care-Sheet Landeinsiedlerkrebse der Familie Coenobitidae

Dieses Care-Sheet dient zur ersten und allgemeinen Orientierung über diese Tiere und ist keineswegs als alleinige Information für alle Arten zu verwenden.

Systematik: Die meisten Landeinsiedlerkrebse der Gattung Coenobita gehören zur Klasse der Malacostraca (Höhere Krebse), der Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda), wo sie wiederum in die Überfamilie der Einsiedler- und Steinkrebse (Paguroidea) und die Familie der Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae) eingeordnet sind. In der Gattung Coenobita sind zur Zeit 17 Arten bekannt.

Verbreitung: Landeinsiedlerkrebse kommen bis auf Westafrika weltweit an tropischen Küsten vor.  In den Handel kommen überwiegend folgende Arten: C. clypeatus, C. rugosus und C. compressus aus der Karibik sowie die Arten C. rugosus, C. perlatus, C. purpureus und C. brevimanus aus dem Indo-Pazifischen Raum. Landeinsiedlerkrebse sind vollkommen an das Leben an Land angepasst und bewohnen küstennahe Habitate (Sandstrände und Mangrovenwälder). Aufgrund dieser Anpassungen darf ein Terrarium für Landeinsiedlerkrebse auf keinen Fall als Aquaterrarium konzipiert sein, welches einen tiefen Wasserteil enthält, da die Tiere sonst ertrinken könnten.

Lebenserwartung: Bei guter Haltung können Landeinsiedlerkrebse bis zu 35 Jahre alt werden.

Körpergröße: Die Länge des Carapax (Panzer) dieser Tiere beträgt in der Regel 3 -5 cm.

Aktivitätsphase: Landeinsiedlerkrebse sind in der Regel nachaktive Tiere, die sich tagsüber verstecken, um sich vor Austrocknung zu schützen.

Nahrung: Landeinsiedlerkrebse sind Allesfresser (omnivor) und können daher sehr abwechslungsreich ernährt werden. In der Natur ernähren sie sich hauptsächlich von reifen Früchten, sie verschmähen aber auch Aas toter  Fische und anderer Tiere nicht. Zudem decken sie ihren hohen Calciumbedarf, indem sie die abgelegten Häute anderer Krebstiere fressen. In  Terrarium kann man die Tiere zudem mit unterschiedlichen Obstsorten (Banane, Weintrauben, Erdbeeren, Mango), Gemüse (Salatgurken, Paprika, evtl. Salat und Chinakohl), Fisch und Garnelen (beides entweder getrocknet oder frisch), aber auch Hunde/Katzenfutter abwechslungsreich ernähren.

Fortpflanzung und Aufzucht:  In der Natur paaren sich Landeinsiedlerkrebse hauptsächlich in den beiden Monaten Juli und August. Hierbei versucht das in der Regel größere Männchen das Weibchen auf den Rücken zu drehen, um sich mit ihr zu verpaaren und ihr die Spermatophoren auf die Carapaxunterseite zu heften. Die Paarung findet ausschließlich an Land statt. Kurz vor dem Schlupf der Larven werden die Eier vom Weibchen ins Meer entlassen, das Freisetzen der Larven wird durch den Kontakt mit Salzwasser induziert. Dies geschieht meist bei Vollmund und Springflut und das Weibchen kann entlässt die Larven ins Meer, wo sie für die nächsten 23 - 28 Tage als Zooplankton umher treiben. Nach diesem Zeitraum beenden die Larven der Landeinsiedlerkrebse das Larvenstadium und machen sich als sogenannte Glaucothoe-Larve auf die Suche nach Schneckenhäusern, um mit zunehmendem Alter das Meer zu verlassen und an Land heran zu wachsen. Dieser Wechsel des Habitats geht einher mit dem Verlust der Fähigkeit, unter Wasser zu atmen. An Land führen die Glaucothoe-Larven dann die Häutung zum Jungkrebs durch. Nach ungefähr einem Jahr sind die Tiere geschlechtsreif. Bis dahin benötigen die sich entwickelnden Landeinsiedlerkrebse mehrere Häutungen, für die sich die Tiere in den Boden eingraben. Ein Häutungszyklus kann hierbei durchaus 2-6 Wochen in Anspruch nehmen. Hierbei ist dafür Sorge zu tragen, dass die Tiere während dieser Phase auf keinen Fall gestört oder ausgegraben werden, da es sonst zu schweren Missbildungen oder gar dem Tod des Tieres kommen kann.

Terrarium: Für Jungtiere mit einer Carapaxlänge von 1 -2 cm reicht eine Grundfläche von 60x30 oder 60x40 cm aus, um darin 3 – 4 Tiere aufzuziehen. Mit entsprechender Größe der Tiere sollte das Terrarium ebenfalls durch ein größeres ersetzt werden. Für 3-4 adulte Tiere sollte eine Grundfläche von 120x60 oder 150x60 cm als Orientierung dienen. Die Höhe des Terrariums ist dabei sekundär. Hierbei ist aber zu beachten, dass die Tiere eine hohe Substratschicht zum Häuten benötigen (mindestens 3-fache Carapaxlänge). Somit muss bei adulten Tieren mit einer Substrathöhe von 15-20 cm gerechnet werden. Die Höhe über der Bodenschicht sollte 30 cm nicht unterschreiten, da Landeinsiedlerkrebse durchaus gerne klettern und diesem Verhalten bei der Terrariengestaltung Rechnung getragen werden sollte. Das Terrarium kann als Gezeiten-Terrarium mit flachen Sandstrand und großem Landteil oder als Landterrarium gestaltet werden. Als Bodengrund eignet sich eine Sand-Kokosfaser-Mischung, der ungedüngte Blumen- oder Walderde untergemischt werden kann. Zudem sollte das Terrarium einige Klettermöglichkeiten enthalten, welche die Tiere gerne nutzen (Äste, Körkröhren, Korallenblöcke aus dem Handel). Diese müssen aber unbedingt so eingebracht sein, dass sie grabende Landeinsiedlerkrebse nicht durch Ein- und Umstürzen verletzen können. Der weitere Bereich kann mit Kokosnussschalen und Blättern dekoriert werden, allerdings ist dabei darauf zu achten, dass den Tieren genügend Freifläche zur Verfügung steht, damit sie ihrem Bewegungsbedürfnis nachkommen können. Die Klimabedürfnisse sollten an die Herkunft der Tiere angepasst sein: die Temperaturen tagsüber sollten im Bereich von 23°-28° C liegen und nachts nicht unter 20°C abfallen. Die Luftfeuchtigkeit sollte im Bereich von 70-80% eingestellt sein. Für die Beleuchtung und Aufrechthaltung der Temperatur kann man Leuchtstoffröhren verwenden, welche gesichert entweder im Terrarium oder darüber angebracht sind (z.B. auf dem Terrarium aufliegen). Von Heizmatten und –kabeln ist unbedingt Abstand zu nehmen, da die Tiere sich bei zu großer Wärme in den kühleren Boden eingraben. Wärme von unten wirkt diesem Schutzmechanismus entgegen. Ein gelegentlich simulierter Regenschauer durch Sprühen von Wasser mittels Zerstäuber, wie er auch für Blumen verwendet wird, fördert das Wohlergehen der Tiere. Zudem sollten die Tiere immer Schalen mit Süß- und Salzwasser/Meerwasser zur Verfügung haben, um ihren Feuchtigkeits- und Salzhaushalt selber regulieren zu können. Hierzu eigenen sich je nach Größe der Tiere flachen Schalen und Blumenuntersetzer. Bei tieferen Schalen und Gefäßen muss eine Ein- und Ausstiegskletterhilfe für die Tiere vorhanden sein. C. clypeatus und C. rugosus trinken gerne Seewasser, während C. brevimanus gerne im Süßwasser badet und trinkt. Zudem ist bei Landeinsiedlerkrebsen darauf zu achten, dass den Tieren immer ausreichend Schneckenhäuser in unterschiedlicher Größe und Öffnungsweiten zur Verfügung stehen. Zudem ist das Terrarium ausbruchsicher zu gestalten. Da Einsiedlerkrebse hervorragende Kletterer sind, denen eine Silikonnaht zum Emporsteigen des Terrariums genügt, sollten die Ränder mit überstehenden Kanten gesichert sein.

Autoren: Dr. rer. nat. Martin Singheiser, Martin Höhle

 

Weitere Literaturempfehlungen:

Briffa, Mark & Mowles, Sophie L. (2008): Quick Guides – Hermit crabs. Current Biology, Vol 18, 4; R144-146.

Engelmann, Wolf-Eberhardt & Lange, Jürgen: Wirbellose – Zootierhaltung in Menschlicher Obhut, Verlag Harri Deutsch

Westheide, Wilfried & Rieger, Gunde: Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere, Springer Spektrum Verlag, 3. Auflage, ISBN 978-3-642-34695-8

 

©the Pet Factory 2013

 


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