Care-Sheet Hirschkäfer (Lucanidae)

Dieses Care-Sheet dient zur ersten und allgemeinen Orientierung über diese Tiere und ist keineswegs als alleinige Information für alle Arten zu verwenden.

 

Systematik: Die Familie der Hirschkäfer (Lucanidae) wird in die Überfamilie der Scarabaeoidea gestellt, welche wiederum der Ordnung der Käfer zugeordnet wird (Coleoptera). Momentan sind über 1200 Arten in 95 Gattungen vertreten. Die häufigsten Vertreter in der Terraristik gehören zu den Gattungen Dorcus, Prosopocoilus, Hexarthrius, Odontolabis sowie Phalacrognathus.

Verbreitung: Hirschkäfer sind weltweit verbreitet, in Deutschland aber nur in sieben Arten vertreten. Der bekannteste einheimische Vertreter ist der große Hirschkäfer (Lucanus cervus), weniger bekannt ist der Zwerghirschkäfer (Dorcus parallelopipedus). Alle einheimischen Hirschkäfer sind geschützt. Hirschkäfer leben in Wäldern und sind dort häufig an verrottendem Holz oder auch an Totholz zu finden.

Lebenserwartung: Die Lebenserwartung reicht von mehreren Monaten bis maximal 2 Jahre, die Generationsdauer liegt im vergleichbaren Bereich.

Charakteristisches Aussehen: Die Körperfarbe besteht aus gedeckten Farbtönen, welche in der Regel von schwarz über braun bis in rote Farbtöne übergehen kann. Eine farbenfrohe Ausnahme stellt sicherlich der Australische Prachthirschkäfer Phalacrognathus muelleri dar, dessen Panzer je nach Lichteinfall stark metallisch in den Farbtönen grün oder kupferfarben glänzt. Hirschkäfer verfügen über einen Sexualdimorphismus: Bei den Männchen finden sich große und teils stark gezähnte Mandibeln, mit denen diese auch ihre Revierstreitigkeiten mit anderen Männchen auskämpfen.

Körpergröße: Die Körpergröße der über 1200 Arten liegt im Bereich von wenigen Millimetern bis hin zu einer Körpergröße von über 10 Zentimetern.

Aktivitätsphase: Hirschkäfer sind in der Regel nachtaktiv und kommen erst mit Beginn der Dämmerung aus ihren Verstecken hervor.

Nahrung: Hirschkäfer lassen sich vielfältig ernähren. Neben reifem Obst nehmen sie in der Natur oft süße Baumsäfte auf. Am einfachsten lassen sich die Tiere jedoch mit sogenannten Beetle-Jellies ernähren, welche über alle nötigen Nährstoffe verfügen und bis zu einer Woche im Terrarium verbleiben können ohne zu schimmeln oder gar Fruchtfliegen anzulocken.

Fortpflanzung und Aufzucht: Nach der Paarung „bohrt“ sich das Weibchen entweder in morsche Baumstämme oder sucht am Boden befindliche weißfaule Baumstämme auf. Dort legen diese Gänge an, in denen sie die Eier ablegen (meist zwischen 50 und 100 Eier pro Tier). Anschließend werden die Gänge mit Spänen verschlossen. Die Larven entwickeln sich in dem weißfaulen Holz. Die Entwicklung kann von der Temperatur als auch vom Nahrungsangebot abhängen und dauert je Art mehrere Jahre, in denen die Larven drei Larvenstadien durchlaufen, bevor sie sich verpuppen um die Umwandlung zum vollständigen Käfer abzuschließen. Aufgrund dieser indirekten Entwicklung bezeichnet man diese auch als holometabole Entwicklung. Die Puppenruhe kann zwischen wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten betragen. Frisch geschlüpfte Larven sollte man einige Zeit im weißfaulen Holz belassen, bevor man diese heraus sammelt und in einer Mischung aus Beetlefix 1 und Beetlefix 2 im Verhältnis 1:3 aufzieht. Wichtig: für das Sammeln von Laubhumus und weißfaulem Holz sind die landestypischen Gesetze zu beachten und bei der zuständigen Behörde eine Genehmigung einzuholen. Sicher sind hier handelsübliche Substrate.

Terrarium und Haltungsbedingungen: Die Terrarien für Hirschkäfer sollten der Endgröße der adulten Tiere angepasst sein. Für kleinere Arten reichen in der Regel Hälterungsbecken von 30 Zentimetern Kantenlänge, wohingegen größere Vertreter geräumigere Hälterungsbecken von 40 cm Länge und ca. 50 cm Höhe benötigen. Hierfür eignen sich durchaus Plastikboxen aus dem Baumarkt, welche mit wenigen Lüftungslöchern versehen werden, damit ein Luftaustausch möglich ist. Wichtig ist, dass das Bodensubstrat mehrere Zentimeter hoch eingefüllt werden kann (10 – 20 cm). Als optimales Zuchtsubstrat hat sich hier eine Mischung aus Beetlefix 1 und Beetlefix 2 erwiesen, welches im Verhältnis 1:2 in das Hälterungsbecken gegeben wird. Damit die Weibchen weißfaules Holz für das Anlegen der Eiablage-Gänge zur Verfügung haben, gibt man ihnen spezielle Eiablagehölzer in das Hälterungsbecken (Woodfix welches zuvor 1-2 Tage gewässert werden sollte). Einige Klettermöglichkeiten aus Holz oder Kork, eine Laubschicht auf dem Boden sowie ein wenig Waldmoos vervollständigen die Einrichtung und sorgen für das geeignete Mikroklima. Da Hirschkäfer nachtaktive Tiere sind, benötigt man keine speziellen Lampen, aber durch (Tages)licht im Raum sollte der natürliche Tagesrhythmus gewährleistet sein. Möchte man seine Tiere in der Aktivitätsphase beobachten, bieten sich spezielle Mondlichtlampen aus dem Terrarienbedarf an. Die Temperatur sollte dem Herkunftsgebiet der Tiere entsprechen und in der Regel zwischen 20 und 25 °C betragen. Eine Nachtabsenkung der Temperatur ist sinnvoll, diese sollte aber nicht deutlich unter Zimmertemperatur abfallen. Keinesfalls sollte man die Hälterungsbecken mit Heizmatten erwärmen, da dies zur Austrocknung des Bodensubstrates führt und dem natürlichen Verhalten der Tiere widerspricht, welche sich bei zu hohen Temperaturen in den kühlen Boden vergraben. Die Luftfeuchtigkeit sollte im Bereich von 70-80 % liegen.

Autoren: Dr. rer. nat. Martin Singheiser, Martin Höhle

 

 

Weitere Literaturempfehlungen:

Engelmann, Wolf-Eberhardt & Lange, Jürgen: Wirbellose – Zootierhaltung in Menschlicher Obhut, Verlag Harri Deutsch

Westheide, Wilfried & Rieger, Gunde: Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere, Springer Spektrum Verlag, 3. Auflage, ISBN 978-3-642-34695-8

 

©the Pet Factory 2013

 


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