Care-Sheet Afrikanische Riesenschnecken

Dieses Care-Sheet dient zur ersten und allgemeinen Orientierung über diese Tiere und ist keineswegs als alleinige Information für alle Arten zu verwenden.

Ordnung: Afrikanische Riesenschnecken gehören zur Ordnung der Pulmonata (Landlungenschnecken) und der Familie der Achatinidae, der Afrikanischen Riesenschnecken. Hierbei können dann die beiden häufig gehaltenen Gattungen der Achatina (z.B. Achatina achatina oder Achatina fulcia) und der Archachatina (z.B. Archachatina marginata) unterschieden werden. Zudem sind noch die Gattungen Cochlitoma, Lignus und Limicolaria bekannt, die bisher aber nur selten Einzug in die Terraristik gehalten haben.

Verbreitung: Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Afrikanischen Riesenschnecken ist Afrika südlich der Sahara. Unter geeigneten Umständen können sich die Tiere aber weltweit in tropischen Regionen ausbreiten. Da ihnen außerhalb des Ursprungsgebietes meist die natürlichen Feinde fehlen, können sie sich dann rasch vermehren und womöglich zu einer Plage werden (Ernteschädlinge).

Lebenserwartung: Afrikanische Riesenschnecken haben artabhängig eine Lebenserwartung von bis zu zehn Jahren.

Charakteristisches Aussehen und Bestimmungsschlüssel: Bei den Schnecken kann man vor allem das Gehäuse, aber auch den Weichkörper zur Bestimmung heran ziehen. Das Gehäuse liefert durch die Kombination von Form, Farbe und Struktur des Aufbaus wichtige Hinweise für die Bestimmung einer Art. Der Weichkörper spielt hier im Vergleich zum Gehäuse eine untergeordnete Rolle, da viele Arten eine ähnliche Farbe und Form des Weichkörpers aufweisen, somit stellt dieser ein nicht immer eindeutiges Bestimmungsmerkmal dar. Auch die Farbe des Gehäuses ist nicht immer ein eindeutiges Identifizierungsmerkmal, da beispielsweise durch verschiedene Zuchtlinien die Gehäusefarbe im Vergleich zu Wildtyp deutlich verändert sein kann. Als Beispiel sei hier „Achatina fulica white jade patternless two tone“ genannt. Die beiden in der Terrarienhaltung häufigsten Gattungen Achatina und Archachatina lassen sich allerdings recht gut unterscheiden, wenn man sich als Halter drei Merkmale genauer betrachtet: die Gehäuseform, das Fußende des Weichkörpers sowie die Größe der Eier. Die Gehäusespitze, auch Apex genannt, ist bei der Gattung Archachatina abgerundet oder stumpf, während bei Achatina das Gehäuseende am Apex spitz zuläuft. Im Vergleich zu Achatina ist zudem das Gehäuse von Archachatina auch deutlich breiter und fülliger. Schaut man sich das Hinterende des Fußes genauer an, so läßt sich bei Vertretern der Gattung Archachatina eine V-förmige Struktur auf der Oberseite erkennen, die sich mehr oder weniger deutlich vom restlichen Fuß abhebt. Dieses Merkmal ist bei den Vertretern der Achatina nicht zu finden, mit der einzigen Ausnahme von Achatina achatina. Um hier eine Abgrenzung zu ziehen, kann man sich aber nun wieder den Apex genauer anschauen. Ist dieser abgerundet, so handelt es sich um einen Vertreter aus der Gattung Archachatina. Als letztes Unterscheidungsmerkmal kann man gut die Größe der Eier für eine Gattungsbestimmung heranziehen. Die Gelege von Achatina weisen eine relative große Zahl an Eiern auf (artabhängig zwischen 50 und 500 Eiern), welche aber nur einen Durchmesser von 5 – 9mm besitzen; sie sind damit relativ klein. Archachatina-Arten hingegen legen nur sehr wenige (zwischen 5 und 15 Eiern), dafür aber äußerst große Eier, die einen Durchmesser von bis zu 2 cm haben können.

Körpergröße: Die Größe der Arten bei den Afrikanischen Riesenschnecken variiert von Art zu Art. Die meisten erreichen eine Körpergröße im Bereich von 8-15 cm, es gibt aber auch Arten, die deutlich größer werden, wie z. B. Achatina achatina, die eine Gehäuselänge von über 20 cm aufweisen können.

Aktivitätsphase: Achatschnecken sind in der Regel nachtaktiv.

Nahrung: Achatschnecken sind in der Regel Pflanzenfresser (phytophag), aber auch tierisches Eiweiß wird von den Tieren nicht verschmäht. Als Hauptnahrungsmittel eignet sich Kopfsalat sehr gut, aber auch frisches Obst und Gemüse wird von den Tieren gerne genommen. Hier können die Tiere gewisse persönliche Vorlieben aufweisen, so dass man als Halter hier viel austesten kann. Die Nahrungspallette reicht von Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Melonen, Erd- und Himbeeren, Gurken, Tomaten, Zucchini, Karotten, Spinat und gekochten Kartoffeln. Vermeiden sollte man stark säurehaltige Früchte wie Citrusfrüchte oder auch Kiwis. Zudem ist es äußerst wichtig, die Futtermittel vor der Fütterung gründlich zu waschen und von verfaulten Bestandteilen zu reinigen, da diese sonst rasch verderben und das Terrarium mit Schimmelpilzen oder ähnlichem stark belasten können. Um den Tieren die Nahrungsaufnahme zu erleichtern, sollte man das Futter geschnitten anbieten und es im Terrarium flächig verteilen. Um die Reinigung des Terrariums von Futterrückständen zu erleichtern, kann die Futtergabe in großen Blumenuntersetzern geschehen. Tierisches Protein wird am besten in Form von Fischflockenfutter oder auch eingeweichtem Hundefutter geboten. Bei der Haltung von Achatschnecken darf eine ausreichende Kalkgabe ebenfalls nicht fehlen. Hierzu kann man das Futter mit geriebenem Futterkalk bestreuen, der ebenfalls in der Geflügelhaltung Verwendung findet. Zudem eignet sich Sepiaschale sehr gut, um den Kalkbedarf der Tiere zu decken. Diese kann man auch über die Futtermittel reiben oder als Ganzes in das Terrarium geben, die Tiere können sich durch ihre Raspelzunge, die an einen Schaufelradbagger erinnert, den Kalk zugänglich machen. Eine weitere Möglichkeit der Kalkgabe für die Tiere ist, den Bodengrund im Terrarium mit sogenannten Soil Conditionern aufzuwerten. Durch regelmäßiges Anfeuchten des Terrariums und des Futters mit einem Zerstäuber kann auf eine separate Wasserschale verzichtet werden.

Fortpflanzung und Aufzucht:  Wie alle Vertreter der Landlungenschnecken sind auch Achatschnecken zwittrig. Adulte Tiere besitzen sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen und Geschlechtsorgane. Für eine Fortpflanzung benötigt man dennoch 2 Tiere zur gegenseitigen Befruchtung, da Selbstbefruchtung bisher bei den Tieren nicht bekannt ist. Für die Paarung wird der Geschlechtsapparat durch die Geschlechtsöffnung umgestülpt. Die Geschlechtsöffnung der Schnecken befindet sich rechts hinter dem Kopf. Für eine erfolgreiche Verpaarung müssen sich beide Geschlechtspartner so positionieren, dass die Geschlechtsöffnungen gegenüber liegen, so dass der Penis des einen Tieres in die Vagina des anderen Tieres eingeführt werden kann, wo letztendlich die Spermatophore (Samenpaket) in der Samentasche platziert wird. Die eigentliche Befruchtung der Eier findet im Eileiter der Tiere statt. Meist kommt es nach 2-6 Wochen nach erfolgreicher Paarung zur Eiablage, aber die Spermien können auch länger als ein Jahr gespeichert werden, weswegen es auch bei Einzelhaltung von Achatschnecken noch zur Ablage befruchteter Eier kommen kann. Die Eiablage erfolgt in das Bodensubstrat, die Entwicklung der Eier nimmt bei Achatina zwischen 2 und 3 Wochen, bei Archachatina 4 - 8 Wochen in Anspruch. Nach dem Schlupf der Jungschnecken verbleiben diese noch einige Zeit in der Legehöhle, bevor sie sich an die Oberfläche graben und dort auf die Nahrungssuche begeben. Bis auf Achatina achatina, die mehrere Jahre bis zur Geschlechtsreife benötigt, erreichen die meisten Achatschnecken dieses Stadium schon im ersten Lebensjahr. Die Aufzucht von Jungschnecken erfolgt an besten getrennt von den Adulttieren in separaten Aufzuchtboxen.

Terrarium und Haltungsbedingungen: Die Terrariengröße richtet sich auch nach der Endgröße  und der Anzahl der gehaltenen Tiere. Für 3 bis 5 ausgewachsene Tiere sollten das Behältnis 60x30x30 cm nicht unterschreiten, größere Behälter sind hierbei jedoch angebracht (z.B. 80x40x40 cm). Für die Hälterung kann man sich, je nach Vorliebe, verschiedene Möglichkeiten auswählen: von einfachen Kunststoffboxen aus dem Baumarkt, in welche man Lüftungslöcher bohrt, bis zu Aquarien mit entsprechenden Abdeckungen oder Terrarien mit Schiebescheiben. Bei allen Behältnissen sollte man darauf achten, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 80%) gewährt werden kann. Bei Aquarienabdeckungen sollte man ca. 2/3 des Deckels mit Glas abdecken, während über das letzte Drittel Netzgaze gespannt werden kann. Bei handelsüblichen Terrarien wird die Luftfeuchtigkeit in der Regel durch die integrierten Belüftungsflächen gewährleistet, während man bei Kunststoffboxen aus dem Baumarkt durch die entsprechende Anzahl an Lüftungslöchern die Luftfeuchtigkeit im Innern regulieren kann. Durch regelmäßiges Versprühen lauwarmen Wassers, vorwiegend zur einsetzenden Aktivität der Schnecken in den Abendstunden, läßt sich die Luftfeuchtigkeit gut steuern. Da die Tiere überwiegend nachtaktiv sind, kann auf eine gesonderte Beleuchtung verzichtet werden. Dennoch sollte ein gewisser Tag-Nacht-Rhythmus durch Tageslicht gegeben sein. Die Temperaturen im Terrarium sollten sich nach der Herkunft der Tiere richten und zwischen 20° und 25°C betragen. Bei entsprechender Temperatur im Haltungszimmer kann auf eine zusätzliche Wärmequelle verzichtet werden. Wenn die gegebene Raumtemperatur nicht ausreichend ist, kann die Terrarientemperatur durch seitlich angebrachte Heizmatten erhöht werden. Hierbei ist aber darauf zu achten, dass die Hälterungsbox der Tiere nicht brennbar ist! Zudem sollten die Heizmatten oder Heizkabel niemals unter dem Terrarium angebracht werden, da sich die Tiere ihrem Verhalten gemäß bei zu hoher Außentemperatur in den Boden eingraben. Hat dieser aber eine höhere Temperatur als die Luft im Terrarium, ist das natürliche Verhalten der Tiere beeinträchtigt. Der Bodengrund für Achatschnecken sollte ca. 10 cm hoch eingebracht werden und aus Erde (Terrarienerde oder Anzuchterde) eventuell vermischt mit ein wenig verrotteter Pinienrinde oder Sand (kein Fluss- oder Quarzsand) bestehen. Zudem sollte der Bodengrund nicht zu sauer sein, da sonst das Gehäuse der Schnecken angegriffen werden kann. Ein zu saurer Boden kann daran erkannt werden, dass sich die Achatschnecken überwiegend an den Seitenflächen oder Dekorationseinrichtungen aufhalten. Bei zu saurem Bodengrund kann durch Kalken (z.B. Soil Conditioner) Abhilfe geschaffen werden. Eine Bepflanzung der Terrarien wird meist nicht lange Freude bereiten, da die Tiere die meisten Pflanzen als Nahrung betrachten, weswegen von giftigen Pflanzen als Dekoration dringend abzuraten ist. Entweder man pflanzt schnellwachsende Pflanzen (Zebrina-Arten) oder verwendet Kunstpflanzen, möchte man auf ein wenig ästhetisches Grün im Becken nicht verzichten. Bei Dekorationsgegenständen wie Steinen, Korkröhren, etc. ist darauf zu achten, dass sich die Schnecken durch Herabfallen von den Scheiben ihr Gehäuse nicht an den Gegenständen aufschlagen können oder durch Untergraben von diesen eingedrückt werden. Möchte man auf eine Einrichtung nicht verzichten, so bieten sich hier Weinreben oder Korkäste an.

Durch den hohen Stoffwechsel der Tiere, die entsprechenden Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit besteht die Gefahr der Schimmelbildung durch nicht gefressene Nahrungsreste. Daher sollten Sauberkeit und regelmäßige Reinigungsmaßnahmen (tägliches Entfernen des Kots sowie der Futterreste) zur Pflege der Tiere dazugehören, um Krankheiten der Tiere vorzubeugen.

Autoren: Dr. rer. nat. Martin Singheiser, Martin Höhle

 

Weitere Literaturempfehlungen:

Engelmann, Wolf-Eberhardt & Lange, Jürgen: Wirbellose – Zootierhaltung in Menschlicher Obhut, Verlag Harri Deutsch

Leiß, Andreas: Achatschnecken – die Familie Achatinidae, Natur und Tier-Verlag GmbH

Schulz, Heiko & Nordsieck, Robert: Die Afrikanische Riesenschnecke Achatina (Lissachatina) fulica, Natur und Tier-Verlag GmbH

Westheide, Wilfried; Rieger, Reinhard & Rieger, Gunde: Spezielle Zoologie. Teil 1: Einzeller und Wirbellose Tiere, Springer Spektrum Verlag, ISBN 978-3-642-34695-8

 

©the Pet Factory 2013

 


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