Birgus latro

Care-Sheet Palmendieb (Birgus latro)

Birgus latro
Dieses Care-Sheet dient zur ersten und allgemeinen Orientierung über diese Tiere und ist keineswegs als alleinige Information für alle Arten zu verwenden. Für detaillierte Informationen verweisen wir Sie auf folgendes Buch: Wirbellose – Zootierhaltung in menschlicher Obhut

Ordnung: Palmendiebe (Birgus latro) zählen zur Klasse der Malacostraca (Höhere Krebse), der Ordnung der Zehnfußkrebse (Dekapoda), wo sie wiederum in die Überfamilie der Einsiedler- und Steinkrebse (Paguroidea) und die Familie der Landeinsiedlerkrebse (Coenobitidae) eingeordnet sind.

Verbreitung: Palmendiebe haben ihr Verbreitungsgebiet im Indischen Ozean (z.B. Seychellen, Sansibar, Andamanen, Weihnachtsinsel) sowie im westlichen Pazifik (Cook-Inseln, Kiribati). Dort bewohnt der Palmendieb küstennahe Habitate (Sandhöhlen, Felsspalten), wobei er bei einem Mangel an natürlichen Rückzugsmöglichkeiten sich diese selber in den weichen Sand oder gar in den porösen Kalkstein graben kann.

Lebenserwartung: Palmendiebe können zwischen 30 und 40 Jahre alt werden. Manche Quellen geben eine Alterangabe, welche bis zu 70 Lebensjahren reicht.

Körpergröße: Der Carapax (Panzer) dieser Tiere kann eine Länge von bis zu 40 cm erreichen. Die Beinspannweite kann bis zu einem Meter betragen, so dass große ausgewachsene Tiere hierbei ein Gewicht von bis zu 4 kg aufweisen können. Dies sollte man VOR der Anschaffung eines Palmendiebes beachten und ihm später ein ausreichend großes (Zimmer)terrarium als Lebensraum bieten.

Aktivitätsphase: Palmendiebe sind in der Regel nachtaktive Tiere, die sich tagsüber in ihren Höhlen  verstecken, um sich vor Austrocknung zu schützen. In der Natur werden die Höhleneingänge oftmals mit den Scheren verschlossen, so dass die Tiere in den Höhlen ein geeignetes Mikroklima schaffen können, welches sie für einen funktionierenden Stoffwechsel brauchen.

Nahrung: Palmendiebe sind Allesfresser (omnivor) und können daher sehr abwechslungsreich ernährt werden. In der Natur ernähren sie sich hauptsächlich von reifen Früchten (Kokosnüssen, Feigen, Pandanus), sie verschmähen aber auch Aas, nestjunge Vögel oder schlüpfende Schildkröten nicht. Zudem decken sie ihren hohen Calciumbedarf, indem sie die abgelegten Häute anderer Krebstiere fressen. In  Terrarium kann man die Tiere zudem mit unterschiedlichen Obstsorten (Banane, Weintrauben, Erdbeeren, Mango), Gemüse (Salatgurken, Paprika, evtl. Salat und Chinakohl), Fisch und Garnelen (beides entweder getrocknet oder frisch), aber auch Hunde/Katzenfutter abwechslungsreich ernähren.

Fortpflanzung und Aufzucht:  In der Natur paaren sich Palmendiebe hauptsächlich in den beiden Monaten Juli und August. Hierbei versucht das in der Regel größere Männchen das Weibchen auf den Rücken zu drehen, um sich mit ihr zu verpaaren. Die Paarung findet ausschließlich an Land statt. Kurz vor dem Schlupf der Larven werden die Eier vom Weibchen ins Meer entlassen, das Freisetzen der Larven wird durch den Kontakt mit Salzwasser induziert. Dies geschieht meist bei Vollmond und Springflut und das Weibchen kann unter Umständen bis zu 140.000 kleine Larven ins Meer entlassen, wo sie für die nächsten 23 - 28 Tage als Zooplankton umher treiben. Nach diesem Zeitraum beenden die Larven der Palmendiebe das Larvenstadium und machen sich auf die Suche nach Schneckenhäusern, um mit zunehmendem Alter das Meer zu verlassen um an Land heran zu wachsen. Dieser Wechsel des Habitats geht einher mit dem Verlust der Fähigkeit, unter Wasser zu atmen. Auch an Land schützen junge Palmendiebe ihren noch weichen Körper, indem sie leere Schneckenhäuser beziehen. Daher kann man sie in sehr jungen Stadien gut mit Einsiedlerkrebsen verwechseln. Mit fortschreitender Kalzifizierung des Panzers sind die Jungtiere immer weniger auf einen externen Schutz angewiesen, so dass sie sich zunehmend in Höhlen und Felsspalten zurückziehen. Sie verlassen hierzu die Schneckenhäuser, hierbei erscheint das Abdomen oft unförmig durch die Form des Schneckenhauses. Diese Asymmetrie des Abdomens legt sich aber in der Regel im Verlauf der nächsten beiden Häutungen. Hierzu ziehen sich Palmendiebe in ihre Verstecke, wo sie bis zu 40 Tage verbleiben, bis die Häutung abgeschlossen und der Panzer wieder vollständig ausgehärtet ist. Um diesen kräftzehrenden Prozess bewerkstelligen zu können, fressen sich die Palmendiebe ausreichende Fettreserven an. Zudem scheinen sie Feuchtigkeit (Wasser) einzulagern, die Abdomen der Tiere können dann sehr unförmig aussehen und breiter als der Carapax sein. Die endgültige Geschlechtsreife erreichen Palmendiebe mit ca. 4 Jahren oder 8 Häutungen.

Terrarium: Da adulte Palmendiebe eine beeindruckende Größe erreichen können, sollte ihnen später ein ausreichend großes Zimmerterrarium zur Verfügung stehen. Für Jungtiere reichen deutlich kleinere Terrarien aus, die aber dem Wachstum des Tieres entsprechend „mitwachsen“ sollten. Als Bodengrund eignet sich eine der Größe des Tieres angepasste Schicht aus einer Sand-Kokosfaser-Mischung, der ungedüngte Blumen- oder Walderde untergemischt werden kann. Der Bodengrund sollte hierbei so tief sein, dass sich die Tiere darin problemlos vergraben können. Zudem sollte das Terrarium einige „Felsaufbauten“ enthalten, welche allerdings grabende Palmendiebe nicht durch Umfallen verletzen dürfen. Einige Kletteräste und Korkröhren komplettieren die Einrichtung. Da die Tiere in der Natur auch auf höhere Palmen klettern (Nahrungssuche, Ruhe und Schutz vor Feinden), sollten auch einige vertikale Klettermöglichkeiten aus dicken Ästen im Terrarium enthalten sein. Dort kann zur Abwechslung auch eine Plattform zur Futterreichung integriert sein. Das Klima sollte an die Herkunft der Tiere angepasst sein. Ein gelegentlich simulierter Regenschauer fördert das Wohlergehen der Tiere. Zudem sollten die Tiere immer Schalen mit Süß- und Salzwasser/Meerwasser zur Verfügung haben, um ihren Feuchtigkeits- und Salzhaushalt selber regulieren zu können. Hierzu eignen sich je nach Größe der Tiere flache Schalen. Bei tieferen Schalen und Gefäßen muss eine Ein- und Ausstiegskletterhilfe für die Tiere vorhanden sein.

Einer Vergesellschaftung mit anderen Gattungen ist abzuraten. Bei einer Vergesellschaftung von mehreren Palmendieben in einem Terrarium sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass genügend Rückzugsmöglichkeiten, Wasserschalen und vor allem Futter für jedes Tier zur Verfügung stehen. In der Natur sind Palmendiebe überwiegend Einzelgänger und größere Exemplare können gegenüber kleineren Artgenossen durchaus kannibalisch werden. Somit sind die Tiere bei einer Vergesellschaftung mit Artgenossen nicht nur ausreichend zu füttern, sondern auch sorgsam zu beobachten und bei auftretenden Konflikten zu separieren.

Wichtig: Durch ihre beeindruckende Größe und der damit einhergehenden Größe und Kräfte der Scheren können adulte Palmendiebe durchaus ernsthafte Wunden verursachen. Ein Handling der Tiere ist daher auf das Nötigste zu reduzieren.

 

 Autoren: Dr. rer. nat. Martin Singheiser, Martin Höhle

©the Pet Factory 2013


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