Extatosoma tiaratum

Care-Sheet Gespenst- und Stabschrecken (Phasmatodea)

Heteropteryx dilatata
Dieses Care-Sheet dient zur ersten und allgemeinen Orientierung über diese Tiere und ist keineswegs als alleinige Information für alle Arten zu verwenden. Für detaillierte Informationen verweisen wir Sie auf folgende Bücher: Grundwissen Phasmiden, Grundwissen Wandelnde Blätter, Wandelnde Blätter, Die Dorngespenstschrecke Eurycantha calcarata und Stabschrecken (Carausius und Co.) 

Ordnung: Phasmatodea gehören zu einer Ordnung pflanzenfressender Insekten, welche auch als Gespenst- oder Stabschrecken bekannt sind.

Verbreitung: Die überwiegende Mehrzahl der rund 3000 Arten kommt weltweit in subtropischen und tropischen Gebieten vor, wenige Arten auch im Mittelmeerraum.

Lebenserwartung: Bei den meisten Arten leben die Weibchen deutlich länger als die Männchen (Weibchen: 3-12 Monate, Männchen: 3-5 Monate).

Charakteristisches Aussehen: Die Phasmatodea weisen meist eine Mimese auf, also eine Anpassung der Körpergestalt an die Umwelt. Dies führt zur Arten, welche Blättern (Phyllium, bekannt als Wandelnde Blätter), Grashalmen (Stabschrecken) oder verdorrten Zweigen (Extatosoma) ähnlich sehen und sich so vor Fressfeinden schützen. Daher ist die Grundfarbe der meisten Phasmatodea auch grün oder braun. Zudem gibt es einige Arten, welche durch besonders auffällige Warnfärbungen potenziellen Jägern ihre Ungenießbarkeit signalisieren. Ein Mechanismus, der im Tierreich ebenfalls weit verbreitet ist. Dornen an der Köperoberfläche und der Extremitäten sind ein weiterer Verteidigungsmechanismus. Zudem können die meisten Arten bei Angriffen durch Fressfeinde Teile der Extremitäten an Sollbruchstellen abwerfen (Autotomie), welche bei den nächsten Häutungen in der Regel nachwachsen und regeneriert werden.

Körpergröße: Die Größe der Arten bei den Phasmatodea variiert sehr stark und reicht von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern ( Phobaeticus chani kann bis zu 35 cm lang werden). Die Männchen der meisten Arten sind deutlich kleiner als die Weibchen, es liegt ein Geschlechtsdimorphismus vor.

Aktivitätsphase: die meisten Phasmatodea sind nachtaktiv.

Nahrung: Die Phasmatodea sind allesamt Pflanzenfresser (phytophag). Hierbei gibt es Arten, welche relativ unspezialisierte Pflanzenfresser (polyphag) sind und ein breites Nahrungsspektrum haben (z.B. Brombeere, Eichenblätter, Rosengewächse, Farne) sowie Arten, welche auf eine bestimmte Futterpflanze angewiesen sind (monophag). Informieren Sie sich hierbei bitte rechtzeitig über die Bedürfnisse des von Ihnen gehaltenen Tieres. Zudem sollten Sie in der Lage sein, Ihre Tiere auch während des Winters mit ausreichender Nahrung zu versorgen. Futterpflanzen stellt man am besten in einer kleinen Vase mit breitem Boden ins Terrarium. Etwas Schaumstoff sollte den Zugang zum Wasser für die Tiere versperren, und so ein Ertrinken verhindern. So kann man dafür sorgen, dass diese nicht so leicht kippen und die Futterpflanzen länger frisch bleiben. Wenn die Futterpflanzen beginnen zu verwelken, sollten diese durch frische Pflanzen ersetzt werden.

Fortpflanzung und Aufzucht:  Die Fortpflanzung kann einerseits geschlechtlich erfolgen (manchmal notwendig für eine nachhaltige Zucht) oder parthenogenetisch und somit ohne Männchen (Jungfernzeugung). Wenige Wochen nach der Häutung zur Imago beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Diese können von manchen Arten in den Bodengrund gelegt werden – diese Arten verfügen dann meist über einen spitz zulaufenden Hinterleib (Abdomen). Andere Arten betreiben keine spezielle Eiablage und sondern diese meist wahllos ab (z.B. Phyllium). Für die Inkubation der Eier sammelt man diese am besten aus dem Terrarium und inkubiert diese bei erhöhter Luftfeuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20° und 30°C. Bei Arten, welche die Eier vergraben, können diese auch im Bodensubstrat verbleiben. Die Inkubationsdauer ist art- und teilweise temperaturabhängig und sinkt mit steigenden Temperaturen. Nach dem Schlupf der Jungtiere (Nymphen) wachsen diese in wenigen Monaten zu den Adulti heran. Hierbei häuten sich die Jungtiere mehrmals, als hemimetabole (kein Puppenstadium) Insekten können die Jungtiere den Elterntieren bereits ähnlich sehen. Weibchen benötigen in der Regel sechs Häutungen, Männchen vier bis fünf Häutungen, bis sie ausgewachsen sind.

Zur Aufzucht verbringt man die Phasmatodea in Terrarien, welche die artspezifischen Grundbedürfnisse (Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit) erfüllen sollen. Hierbei gilt die Faustregel, dass für tropische Arten höhere Temperaturen (25°-30°C) und eine mittlere bis höhere Luftfeuchtigkeit benötigt werden, als für subtropische Arten oder welche aus dem Mittelmeerraum. Letztgenannte kann man meist bei niedriger Luftfeuchtigkeit  und bei Raumtemperatur halten. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch die Größe der Lüftungsflächen sowie durch regelmäßiges Sprühen gut regulieren.

Die Terrariengröße richtet sich auch nach der Endgröße der gehaltenen Tiere. Während der Aufzucht kann man im Terrarium mehrere Jungtiere halten. Durch das Größenwachstum kann es aber dazu kommen, dass die Tiere zu eng gehalten werden und es zu Nahrungskonkurrenz oder gar gegenseitigem Anfressen der Individuen kommen kann. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Tiere dann rechtzeitig in kleineren Gruppen zusammengestellt werden. In ausreichend dimensionierten Terrarien lassen sich am Ende auch mehrere adulte Individuen einer Art pflegen.

Autoren: Dr. rer. nat. Martin Singheiser, Martin Höhle

©the Pet Factory, 2013


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